Weltreise Step #21: In Durrës

Durrës 2022 Titel

:: 28.07.2022 – Durrës, Albanien ::

Während meiner 2 Wochen in Tirana beschloss ich, einen Tagesausflug nach Durrës zu machen. Das ist ein kleines Städtchen in der Metropolregion Tirana, direkt am Meer und wie ich hörte die Go To Location für alle, die vom Großstadtleben etwas entspannen wollen.

Ob ich das in meiner jetzigen Situation wirklich brauche, sei mal dahingestellt, aber ich fand den Gedanken witzig. Also ging es an einem Donnerstag für mich mit dem Bus nach Durrës sozusagen in den Kurzurlaub.

Ich stehe also früher auf als sonst, was ungefähr 7:00 Uhr mitten in der Nacht ist, und komme ca. gegen 8:00 Uhr los. Das Frühstück lasse ich ausfallen, mir ist zu der frühen Zeit nicht danach. Ich werde mir in Durrës ein nettes Café suchen.

Zuerst muss ich aber die Hürde Bus nehmen. Das ist in Tirana nicht ganz so einfach. Es gibt keine Webseite, wo man schauen kann und eigentlich auch nie Schilder an den Haltestellen, die irgendwas erklären würden.

Ich frage im Hostel nach und bekomme die Info, vorm „Café Europa“ die Haltestelle den Bus nach „Kamza“ oder nach „Institut“ solle ich nehmen. Kosten 40 LEK, was gerade mal 35 Cent sind. Klingt gut.

An besagter Stelle gibt es keine Haltestelle, aber 100 Meter weiter. Das wird sie sicher gemeint haben. Ich warte.

Es fahren mehrere Busse vor. Leute steigen aus. Leute steigen ein. Nach 30 Minuten hat sich die Menschenmenge an der Bushaltestelle mindestens einmal komplett ausgetauscht. Das gibt mir zu denken, da ich hier als Einziger noch stehe. Mhhh, es kam aber kein Bus mit der Aufschrift „Kamza“ oder „Institut“. Was tun?

Ich frage eine jüngere Frau und sie spricht Englisch. Sehr gut. Wobei ich positiv anmerken möchte, dass in Tirana erstaunlich viele Leute Englisch sprechen. Zumindest so, dass es für das Nötigste reicht.

Sie sagt, es steht vorn am Bus (ah ja, da stand noch nie etwas, aber egal), aber ich solle ihr einfach folgen, sie fährt auch zum „Terminali“. „Terminali“, so heißt die Busstation in Tirana, wenn man innerhalb des Landes mit dem Bus fahren möchte. Für internationale Verbindungen gibt es einen anderen Busbahnhof. Den kenn ich ja schon, denn dort bin ich von Podgorica aus angekommen.

Sie sagte noch, es ist „the white bus“. Okay, also der weiße Bus ist unser. Sehr gut.

Ich beobachte die nächsten Minuten genau die ankommenden Busse und die Quote ist wahrscheinlich 1:10, wo etwas vorne am Bus steht. Es steht aber immer eine Nummer dran L5, L11 oder so. Das muss doch etwas bedeuten? Verdammt.

Ich habe bis heute nicht herausgefunden, was diese Nummern bedeuten bzw. wo man das System nachlesen kann. Ich bin aber weiterhin davon überzeugt, dass in diesen Nummern der eigentliche Schlüssel zum (logisch nachvollziehbaren) Erfolg liegt. Aber wer braucht schon Nummern, wenn es „the white bus“ und „the blue bus“ (den habe ich z.b. empfohlen bekommen, als ich in Tirana zur Seilbahn gefahren bin) auch tut?

Es kommt ein weißer Bus und ich mache mich bereit. Die junge Frau gibt mir ein Zeichen, dass dies nicht unser Bus ist. Oh. Okay. Muss ich vielleicht auf den genauen Weißton achten? Ich wische diesen sarkastischen Gedanken weg und bin froh, dass sie mir hilft.

Apropos auf etwas achten, ich bemerke erst jetzt, dass eigentlich immer eine Art Schaffner aus dem Bus aussteigt und ab und zu etwas ruft. Ah ja okay, sie rufen die Endstationen, damit die Leute wissen, welche Linie es ist? Verrückt!

Also hat man theoretisch die Nummern, dann (in vielleicht 10-20% der Fälle) ein Schild vorne im Bus, dann diese „the white bus“ oder „the blue bus“ Hinweise und dann die Ausrufe, wohin der Bus fährt. Ah ja und man kann dem Schaffner im Prinzip auch Wörter wie „Kamza“, „Institut“ oder „Terminali“ entgegenwerfen und er wird dann entweder in den Bus zeigen, was bedeutet das ist der richtige Bus, also lieber schnell einsteigen, oder auf die Haltestelle deuten, was so viel heißt du musst leider weiter warten.

Interessant und irgendwie funktioniert es, aber umständlich, oder? Ich würde ja gern dieses Nummernsystem verstehen und meine (logisch erklärbare) Welt wäre wieder in Ordnung, aber so muss ich wohl in unendlicher Verdammnis damit leben, dass ich es nicht kapiere. Ungelogen, ein paar Tage später träume ich von einem weißen und einem blauen Bus. Was stimmt nicht mit mir?

Egal, irgendwann kommt in der Tat ein anderer weißer Bus und wir steigen endlich ein. Ich höre noch, wie die Frau dem Schaffner irgendwas mit „Terminali“ sagt und auf mich zeigt. Ah ja, der Schaffner wird den Touri dann wohl am Busbahnhof rausschmeißen. Passt schon!

Ich geb ihr zum Abschied einen Daumen hoch und bekomme ein Lächeln zurück. Sie hat ihre gute Tat für diesen Tag erledigt. Sehr schön. Und ich bin happy endlich auf dem Weg zu sein.

Der Schaffner erinnert mich in der Tat am Busbahnhof mit dem Wort „Terminali“ ans Aussteigen. Sehr nett.

Ich bin endlich da und studiere die (analoge) Anzeigetafel. Steig 2, da fahren die Busse nach Durrës alle 30 Minuten ab. Alle 30 Minuten ist aber häufig, denke ich mir. Das erklärt dann auch, warum sie gelacht haben, als ich im Hostel gefragt hatte, ob ich das Ticket vorher kaufen kann bzw. sollte.

Ich merke mir, Tickets für Busse in Albanien vorher kaufen macht man nicht. Man kauft direkt am oder im Bus. Reservierungen gibt es schonmal gar nicht. Da muss ich mich erst dran gewöhnen. Das war ja selbst im wilden Laos und Kambodscha organisierter.

Aber hey, Horizont erweitern und so. Da war doch etwas, oder? Ich muss mich darauf einlassen.

Der Bus nach Durrës fährt los und ich bezahle irgendwann auf halber Strecke beim Schaffner meine 180 LEK (ca. 1,55 EUR). Die Fahrt selbst ist völlig unspektakulär.

Dort angekommen sehe ich, dass es hier einen Bahnhof gibt. Dachte hier fahren keine Personenzüge in Albanien? Ich lerne, es fuhren mal welche und in 1-2 Jahren sollen wieder welche fahren. Die Strecke Tirana-Durrës wird scheinbar neu gebaut.

Ich mag Züge lieber als Busse. Schade!

Ich laufe Richtung Meer und unterwegs mache ich erstmal Station im Mulliri. Die Kette gibt es ja auch in Tirana und es ist im Prinzip eine 1:1 Kopie von Starbucks. Der Café Americano schmeckt hier sehr gut, deswegen mache ich heute keine Experimente. Ich hab Lust auf guten Kaffee und auf ein Croissant. Beides bekomme ich dort. Sehr gut!

Frisch gestärkt geht es nun bei über 35 Grad wieder raus. Das Meer ist nicht weit und die Uferpromenade versprüht sofort den Charme vom Ballermann auf Mallorca. Wobei ich fairerweise sagen muss, hier geht es dann doch noch etwas ruhiger und gesitteter zu.

Aber ich mag solche typischen Touri-Strand-Feier-Örtchen einfach nicht und Durrës ist eindeutig einer. Die Strände direkt an die Stadt angrenzend sind voller Liegen und Sonnenschirme. Ein Hotel reiht sich an das andere und es gibt unzählige Bars, Restaurants, Bistros und diese „ich verkauf alles für den Badespass, Hauptsache aus Plastik und billig“ Läden.

Aber was mir gefällt, es ist sauber, es gibt unzählige Palmen und Meerblick geht halt immer, oder?

Also ist es nicht ganz so mies, wie ich es mir vielleicht selbst einrede. Ich geniesse das tolle Wetter und die kühle Meeresbrise, während ich auf der Promenade entlanglaufe und dann später wieder Richtung Stadt abbiege.

In der Stadt chille ich einige Zeit in einem Café mit einer kalten Italian Limonade. Danach habe ich einen Zuckerschock, aber egal.

Irgendwann zum späten Nachmittag entscheide ich mich, zurückzufahren. Ich schaue traurig meine Badehose an, die ich im Rucksack finde, aber die Strände und das Wasser (türkisblau ist anders) haben mich jetzt nicht so gepackt, als dass ich unbedingt hätte baden müssen. Schade irgendwie, aber der richtige Zeitpunkt dafür wird noch kommen.

Der Bus zurück ist fast leer. Es wird eine entspannte und unaufgeregte Fahrt.

Mein Fazit zu Durrës? Kann man machen, muss man aber nicht.

CU Ingo.


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