Weltreise Step #20: In Tirana

Tirana 2022 Titel

:: 19.07.2022 bis 01.08.2022 – Tirana, Albanien ::

Nachdem ich die Nacht relativ gut geschlafen habe, was aufgrund von immer noch über 25 Grad in der Nacht und ohne Klimaanlage keine Selbstverständlichkeit ist, lasse ich es ruhig angehen.

Ich habe mindestens 1 Woche in Tirana geplant, um den „Reisestress“ (ja so etwas gibt es) ein wenig abzubauen und ich möchte die Zeit vor allem auch dafür nutzen, um die vergangenen Wochen Review passieren zu lassen und meine Gedanken für das Reisetagebuch auf dem Blog einzuklimpern.

Denn wenn man von einem Ort zum nächsten reist ohne Pause, ohne Zeit zu haben, das Erlebte zu reflektieren, dann ist es erstmal (emotional) nur noch die Hälfte wert und führt wie gesagt auch zu Stress. So passiert es nicht wenigen Langzeitreisenden, dass sie eine Art Burnout bekommen, weil eine Reizüberflutung einsetzt und das Ganze vom Gehirn/Geist nicht in Ruhe verarbeitet werden kann.

Klingt verrückt, gibt es aber wirklich. Und dem beuge ich gleich mal vor, indem ich langsam reise und von Zeit zu Zeit zusätzlich größerer Pausen an einem Ort einlegen werde. So zumindest der Plan.

Tirana erscheint mir dafür ein guter Ort. Hier ist nicht viel los, wenn es um Sehenswürdigkeiten und Action geht. Dafür soll es eine Menge gemütlicher Coffee Shops geben. Ideal zum am Laptop „arbeiten“.

Außerdem soll es, was ich nun bestätigen kann, sehr günstig sein. Guter Kaffee (den besten Americano gibt es im Mulliri) geht für 1 EUR, frisch gepresster Orangensaft für 2 EUR und selbst die üppigsten Frappuccino Kreationen, und da gibt es echt verrückte, gehen fast immer für unter 3 EUR über die Ladentheke. Das ist doch recht angenehm, oder?

Gut. Also ziehe ich los und erkunde die Gegend. Es wird mir sofort bewusst, dass ich es hier aushalten werde. Ob 1 Woche oder 2, es gibt genug unterschiedliche Restaurants und besagte Coffee Shops direkt in der Umgebung des Hostels.

So verbringe ich ungelogen 1 Woche nur damit, mit dem inkl. Frühstück im Oda Hostel ruhig in den Tag zu starten, dann in abwechselnden Coffee Shops (wobei ich später 1-2 Favoriten habe) zu chillen und Reisetagebuch zu schreiben, Bilder zu bearbeiten und Instagram zu bespielen, und mir abends etwas Leckeres zum Essen zu suchen und durch die nähere Umgebung im Zentrum zu streifen, die Augen offen halten für Entdeckungen der kleinen Art.

Abends zurück im Hostel gibt es dann immer eine Special Live Show, denn jeden Tag von 20:00 bis 23:00 Uhr wird im Oda Restaurant (Oda Hostel und Oda Restaurant gehören natürlich zusammen) typisch albanische Folklore, ergänzt durch ein paar italienische Hits, gespielt und gesungen. Ich muss nur aus dem Fenster schauen und bekomme das Spektakel dargeboten. Die Leute im Restaurant bezahlen dafür 2 EUR Aufschlag. Spar-High-Five!

Nach den ersten 2 Tagen dachte ich, das würde mich nerven, da aber immer pünktlich 23:00 Uhr wieder Ruhe einkehrte, war es echt gut auszuhalten und natürlich auch interessant, so etwas mal direkt live zu erleben.

Nur einmal ging es länger und die Musik war auch noch etwas anders. Denn im Restaurant wurde eine typisch (zumindest denke ich, dass es typisch war) albanische Hochzeit gefeiert. Inkl. viel Tanzen, Singen, Lachen und natürlich dem Anschneiden der Torte um Mitternacht. Das mit der Torte scheint es fast überall zu geben, oder?

Es war auf jeden Fall mal ein Erlebnis und dieses wurde mir sozusagen direkt vor die Haustür geliefert. Läuft!

Tirana ist ideal um runterzukommen. Nach 1 Woche entscheide ich, noch 1 weitere Woche dranzuhängen.

Es gefällt mir hier einfach zu gut und das Hostel ist ideal für mich. Es ist nur wenig belegt, mal von der einen Situation abgesehen, wo mitten in der Nacht um 1:00 Uhr plötzlich 7 Spanier/innen ins Zimmer platzen, sich versuchen leise (Schonmal einen leisen Spanier getroffen? Und wie gesagt, es waren 7!) umzuziehen inkl. duschen, schminken etc., um dann gegen 2:00 Uhr wieder zu gehen, nur um gegen 3:30 Uhr zurückzukommen und früh noch vor 6:00 Uhr wieder abzureisen. Crazy!

Das bringt Erinnerungen zurück, wo ich auch bis 5:00 Uhr in der Disko (das berühmte „Zelt“ in Köthen) abgefeiert habe und dann 10:00 Uhr auf dem Fußballfeld stand und meine Leistung brachte. Was ein junger Körper so alles ab kann, ist echt erstaunlich. Könnte ich nicht nochmal 20 sein, aber mit der Erfahrung von jetzt bitte?

Aber zurück zum Hostel. Alles ist neu hier, teilweise so neu, dass es noch nicht mal fertig ist. So wurden z.b. erst während meiner 2 Wochen dort die Spiegel im Bad angebracht. Und für die noch fehlende Klimaanlage ragt zwar bereits das Kabel aus der Wand, aber von besagter Klimaanlage ist weit und breit nichts zu sehen.

Ich lerne in der Zeit einige nette Leute kennen.

Zum Beispiel die blonde (Keine Wertung!) Österreicherin, die in Berlin unterrichtet und unerwartet interessante Fragen zum Thema Finanzen und wie finanziere ich meine Reise stellt. Es ist ihr letzter Tag hier und sie möchte mir netterweise ihren Reiseführer für Albanien schenken, aber versteht sofort, dass ich kein zusätzliches Gewicht dabei haben möchte.

Oder der sehr junge Amerikaner (Wie alt ist man, wenn man im Herbst aufs College geht?), der das 1. Mal von zu Hause allein unterwegs ist und dann gleich Europa. Er ist so herrlich neugierig auf alles und wiedermal typisch amerikanisch ist alles toll und awesome. Man muss das einfach mögen.

Oder die ältere Niederländerin, die allein mit dem Fahrrad durch Italien und die Balkanländer fährt und als professionelle Fotografin ihre Reisen finanziert. Ihr würde ich gern mehr Frage stellen, wie sie das macht und welche Verbindungen/Agenturen man dafür braucht. Leider war sie am nächsten Tag schon sehr früh abgereist.

Oder der Italiener … oder der … man lernt echt viele Leute kennen, wenn man 2 Wochen in einem Hostel verbleibt.

Aber man lernt auch außerhalb Leute kennen, mal von den Mitarbeitern im Hostel ganz zu schweigen. Die kennen einen dann auf jeden Fall.

So lerne ich im Sophies Café sogar irgendwann den Manager kennen, der zwar kein Englisch spricht, aber über einen seiner Kellner mit mir kommuniziert. Er ist total verwirrt, wie man mit dem Laptop unterwegs Geld verdienen kann. Ich erkläre ihm, dem Kellner und 2-3 anderen Interessierten, was man so als Blogger macht und wie man damit Geld verdienen kann.

Ich bin nicht sicher, ob sie das Konzept wirklich verstanden haben, aber ich habe nun das Gefühl, dass sie mir so etwas wie Bewunderung (ja ja, immer noch gemischt mit Verwunderung, ist klar) entgegenbringen. Auf jeden Fall ist die Begrüßung ab dem Gespräch noch einen Tick freundlicher, als es die Tage vorher eh schon war.

In Woche 2 nutze ich einen Tag, um nach Durrës zu fahren. Das ist eine Stadt im Großraum Tirana, die direkt am Meer liegt. Dafür werde ich aber einen separaten Blogbeitrag schreiben. Da werde ich auch einen Blick auf das etwas seltsame System werfen, wie das mit den Bussen in Tirana so funktioniert.

Mal schauen, ob die Badehose zum Einsatz kommt. Eingesteckt habe ich sie dieses Mal auf jeden Fall. Ja ja, auch ich bin lernfähig.

Am letzten Tag fahre ich mit der Seilbahn hoch auf den Hausberg von Tirana, den Dajti. Die Seilbahn ist ziemlich lang und es geht ordentlich rauf. Von oben hat man eine tolle (leider etwas diesige) Aussicht auf Tirana und bis zum Meer. Da hinten ist wahrscheinlich auch Durrës, oder?

Davon ab, dass ich die meiste Zeit bei den konstant Tag für Tag über 35 Grad im Coffee Shop mit Klimaanlage irgendwo chille, abends (dann bei angenehmen 30 Grad) drehe ich meine Runde und schaue ich mir immer irgendetwas an.

Rund um den zentralen Skanderbeg Platz, wo es z.b. gleich die Et’hem-Bey-Moschee und den bekannten Uhrenturm gibt (beides sehenswert), finden sich zahlreiche Gebäude. Die Oper, die Nationalbibliothek, die Nationalbank und einige Nationalmuseen (Kunst, Geschichte etc.). Alles etwas langweilig und im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten nicht so recht attraktiv.

Interessanter anzusehen sind da schon die orthodoxe Kathedrale der Auferstehung Christi oder einfach nur die Parkanlagen, wo sich die Bewohner Tiranas nach Sonnenuntergang in Massen tummeln.

Allgemein spielt sich das Leben, mal von der Zeit zwischen 13:00 und 18:00 Uhr abgesehen, in Tirana auf der Straße ab. Ich kann manchmal gar nicht glauben, wie viele Menschen hier unterwegs sind. Das hat fast schon asiatische Züge.

Vor allem wie viele Kinder abends 22:00 Uhr auf dem Spielplatz herumtoben, find ich immer wieder faszinierend. Eine ganz andere Welt, als wir es in Deutschland kennen. Wenn in Deutschland nach 20:00 Uhr das Telefon klingelt, wird mit einem Stirnrunzeln gefragt, wer sich jetzt noch erdreistet anzurufen. Ist doch so, oder?

Am letzten Donnerstag findet auf dem Skanderbeg Platz eine große Feier statt. Inklusive Konzert und Feuerwerk. Die Albaner feiern die Unterzeichnung der EU-Beitrittserklärung. Das heißt zwar nicht, dass sie jetzt EU-Mitglied sind, aber es ist der finale Schritt, bevor es dazu kommen kann.

Auch das wird nochmal viele Jahre dauern, bis es endlich soweit ist, aber zumindest sind sie weiter auf dem Weg dahin. Der ganze Prozess startete bereits 2003. Da begannen die ersten Gespräche mit der EU. 2009 kam es dann zum Beitrittsantrag seitens Albanien. Dieser wurde erst 2014 von der EU gebilligt und seitdem ist das Land ein Beitrittskandidat. Puh, das zieht sich, oder?

Und ehrlich? Ich mag das Land schon jetzt, aber wenn ich die Standards hier sehe, weiß ich, dass es noch viele EU-Gelder benötigt, um Albanien wirklich zu einem EU-Land zu machen. Oh je! Aber genug der Politik.

So vergehen 2 schöne und völlig unaufgeregte Wochen in Tirana. Ich mag die Stadt irgendwie und ich weiß, irgendwann werde ich zurückkehren.

Aber jetzt zieht es mich weiter. Es geht ins zentrale Albanien nach Berat. Ich bin ausgeruht und voller Tatendrang.

CU Ingo.


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