Weltreise Step #7: Auf nach Sarajevo

Nach Sarajevo 2022 Titel

:: 23.06.2022 – Von Ljubljana nach Sarajevo ::

Reisetag. Juhu. 12 Stunden im Bus. Yeah!

Ne ehrlich, das gehört einfach dazu zum Erlebnis Reisen und mit genug Tagen der Erholung zwischen solchen temporären Strapazen, ist das in der Regel auch ganz gut durchzustehen.

Oberstes Gebot, kein Stress. Ich hasse Stress!

Also immer schön so planen, dass man genug Zeit hat, um zum Bus zu kommen, ggf. mehr als notwendig Zeit hat zum Umsteigen und am Ankunftsort sollte dann auch noch genug Zeit übrig sein, um in Ruhe die Unterkunft zu erreichen.

Im Zweifel lieber etwas rumsitzen oder rumstehen. Man findet sowieso immer irgendwas zum Tun oder Anschauen.

Mein Bus fährt 8:25 Uhr direkt am Bahnhof ab. Ich lief also nur 5 Minuten, wenn überhaupt. Ganz entspannt, konnte ich so noch eine Art Naan-Brot und 2 Teilchen beim Bäcker kaufen und Zeit für einen Kaffee von McDonalds (schien mir hier am Bahnhof die beste Option zu sein) blieb auch noch.

Damit hatte ich meine Verpflegung zusammen und musste beim Umsteigen in Zagreb nicht nach Möglichkeiten suchen, wo ich nur mit Karte zahlen kann. Denn ich hatte kein kroatisches Geld und wollte für den Tag nicht unbedingt etwas tauschen.

An der Haltestellen warten ist teilweise echt ätzend, weil es eigentlich nie genug Sitzmöglichkeiten gibt (weniger schlimm, denn ich sitze eh gleich viele Stunden), die Leute verteilt rumstehen beim Rauchen (echt mies, weil man dem Passivrauchen kaum ausweichen kann) und es meist dreckig ist (gibt automatisch negative Vibes).

Naja, aber auch das vergeht irgendwie und dann kommt der Bus und es geht los. Zuerst nach Zagreb.

Rein in den Bus und einen Sitzplatz gesucht. Puh, leer der Bus. Gut, ich hatte nämlich diesmal keine Sitzplatzreservierung. Hoffentlich bleibt der Platz neben mir leer.

Der Bus füllt sich. Viele Plätze sind jetzt zumindest so belegt, dass kaum noch eine Sitzreihe leer ist. Zum Glück war ich zeitig dran. Ich Fuchs!

Ich sehe ein rotes Schild an meinen Sitzen. Reserviert. Argh! Wie konnte ich das übersehen. Ich Idiot!

In Panik suche ich nach einer noch leeren Sitzreihe ohne rotes Schild, um mich umsetzen zu können. Da! Da vorne ist noch eine einzige frei.

Also schnell umgesetzt und einen Schweißausbruch später fährt der Bus auch schon los. Die von mir verlassene „reservierte“ Sitzreihe bleibt vorerst leer. Ja ne. Is klar.

Dann ging es straight über die Autobahn Richtung Kroatien.

An der Grenze 2x aussteigen. Aussteigen, 1x Passkontrolle der slowenischen Seite. 100 Meter mit dem Bus weiterfahren. Aussteigen, 1x Passkontrolle auf der kroatischen Seite.

Alles lief ohne viel Tam Tam ab und schon ging es weiter Richtung Zagreb.

Wir kamen pünktlich an. Ich stieg aus, schnappte meinen Rucksack und suchte eine Anzeigetafel, um den Abfahrtsort meines Busses nach Sarajevo herauszufinden.

Es gab keine. Mhhh…

Eine Runde um den Busbahnhof und eine Frage an einen anderen Reisenden später war klar, ich musste eine Etage nach oben gehen. Dort im Warteraum gibt es eine großes Anzeige.

Ah ja, da ist sie ja. Ich suche meinen Bus in der Liste. Er soll 12:30 Uhr fahren. Ich komme bis 12:15 und dann … Werbung!

WTF? Werbung an der Anzeigetafel der abfahrenden Busse?

Ich lasse 3 Werbungen über mich ergehen und schwöre, dass ich diese 3 Produkte ein Leben lang boykottieren werden.

Dann kommt wieder die Anzeige der Busse und ich schaffe herauszufinden, dass mein Bus von Steig 205 abfährt.

Ich nehm meinen Rucksack und sehe nur, dass die Werbung bereits wieder startet. Oh man.

In der Wartezeit organisiere ich mir noch 1 großes Wasser (am 2. Kiosk ging Kartenzahlung) und suche eine Toilette.

Die Toilette muss man mit Münzen bezahlen. Läuft ja heute bei mir.

Ich stehe dumm rum und überleg noch, was ich jetzt mache, denn ohne Toilettengang wird das eine stressige Angelegenheit. Und Stress ist wie gesagt doof.

Noch bevor ich zu Ende denken kann, winkt mich eine Frau zu sich, die scheinbar das gleiche Problem gehabt hatte, aber einfach hinter jemanden, der bezahlt hatte, hindurchgeschlüpft ist.

Sie öffnet von innen einen der Ausgänge und ich kann durch den Ausgang hineingehen. Ich bedanke mich nett und kann dem aufkeimenden Stress nun freien Lauf lassen. Sprichwörtlich.

Menschen können so nett sein, oder?

1 Stunde später sitze ich im Bus nach Sarajevo. Schön hinten die letzte Reihe. Beide Sitze neben mir sind leer.

Dann setzt sich jemand rechts von mir hin. Na gut, bleibt ja wenigstens noch ein freier Platz.

Bei jedem, der nun noch einsteigt, versuche ich per Telepathie ihn dazu zu zwingen, sich hinzusetzen, bevor er die letzte Sitzreihe hier erreicht. Mit jeder Schritt, dem derjenige nicht Folge leistet, strenge ich mich mehr an. Mein Kopf ist bestimmt ganz rot.

Es ist vergebens. Es gibt dann doch tatsächlich einen Mann, der ausgerechnet auf den Platz neben mir möchte und ich so zwischen zwei Männern eingeklemmt die nächsten 8 Stunden verbringen soll?

Auf so etwas bin ich doch erst ab Asien vorbereitet. Manno…

Ich lächele gezwungen, mach ihm Platz und schnapp dann meine Sachen und setze mich ein paar Reihen weiter vorn neben einen anderen Mann. Wenigsten hab ich hier den Gang neben mir und somit etwas Platz auf der rechten Seite.

Es geht los. Ein paar Stunden später erreichen wir die Grenze zu Bosnien-Herzegowina.

Fast das gleiche Spiel. Aussteigen, 1x Passkontrolle der kroatischen Seite. 100 Meter mit dem Bus weiterfahren. Aussteigen… ne Moment. Der Grenzer kommt in den Bus und sammelt die Pässe ein. Nichts mit Aussteigen. Okay, soll mir recht sein.

20 Minuten später kommt einer der Busfahrer mit allen Pässen wieder und verteilt diese. Die Fahrt geht weiter.

Ich bin in Bosnien-Herzegowina. Ein neues Land für mich und auch eine neue Kultur. Muslimisch geprägt soll es hier sein. Ich bin gespannt.

Unterwegs passiert nicht mehr viel, außer dass die Natur jetzt schon ordentlich zu beeindrucken weiß. Wir fahren sehr lange durch ein tiefes Tal mit hohen dicht bewaldeten Bergen rechts und links und einem türkisfarbenen recht wilden Fluss mittendrin. Wunderschön.

Nach Sarajevo 2022-1000

Es wirkt auf dem Foto nicht so beeindruckend, wie in echt, aber man bekommt zumindest einen kleinen Eindruck davon, oder?

Wir kommen mit leichter Verspätung in Sarajevo an. Es wird schon dunkel. Ich hatte mit meiner Unterkunft vereinbart, dass ich vom Busbahnhof abgeholt werde. Jedoch konnte ich dem Herrn mangels Internet meine genaue Ankunft nicht vorab mitteilen.

Ich hoffte einfach, dass er so clever ist und es selbst herausfindet.

Er ist so clever!

Ich wimmle 2-3 Taxifahrer ab und gehe Richtung Hauptstraße, als mich jemand mit „Hi Ingo!“ anspricht. Ah ja, mein Pickup. Er hat mein Profilbild auf Facebook gefunden und mich so erkannt. Smart!

Auf der Fahrt zur Unterkunft erklärt er mir in gebrochenen Englisch gefühlt jede Sehenswürdigkeit der Stadt. Nett, aber die Informationsflut ist zu viel und ich bin müde. Ich merke mir 2-3 Dinge und der Rest verfliegt im Fahrtwind gleich wieder.

Duschen und Schlafen, mehr möchte ich heute nicht mehr.

Morgen erkunde ich dann Sarajevo. Ich freue mich.

Als ich schon im Bett liege, höre ich draussen etwas Seltsames. Ich gehe auf den Balkon und lausche dem Stimmenwirrwarr. Es kommt aus den Lautsprechern der Moscheen. Derer gibt es sehr viele hier. Muslimisch geprägt, wie gesagt.

Das es dann aber gleich so krass ist, dass die ganze Stadt zum Abendgebet ertönt, so hatte ich mir das doch nicht vorgestellt. Ich meine, wir sind hier noch mitten in Europa.

Okay, genau dafür ist das Reisen ja da. Seinen Horizont erweitern und neue Dinge lernen. Und ich habe hier gleich am ersten Abend definitiv meinen Horizont erweitert und etwas dazu gelernt.

Mit einem seltsamen Gefühl, aber auch viel Neugier schlafe ich ein und werde, mit einer Unterbrechung zum Morgengebet 4:30 Uhr, erst in 12 Stunden wieder aufwachen.

Man bin ich kaputt von dieser fast dreizehnstündigen Fahrt.

CU Ingo.


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