Weltreise Step #29: Auf nach Athen

Nach Athen 2022 Titel

:: 19.08.2022 bis 20.08.2022 – Von Sarandë nach Athen ::

Ich hatte mir am Vortag bereits ein Ticket für den Nachtbus nach Athen gekauft gehabt. Ein Novum hier in Albanien, ein Busticket vorab zu kaufen. Vermutlich machen sie das auch nur bei den internationalen Verbindungen.

Ich werde es bestimmt etwas vermissen, dieses einfach irgendwo hingehen und hoffen, dass der passende Bus dort wartet oder irgendwann vorbeikommt. Das wird auf immer eine Erinnerung an Albanien bleiben.

Den bisherigen Tag hatte ich zum Arbeiten genutzt. Aus dem Hostel musste ich zwar offiziell 10 Uhr auschecken, konnte aber unten den Gemeinschaftsraum weiter nutzen. Toll!

Am späten Nachmittag breche ich auf und laufe ein letztes Mal die Strecke vom Hostel zum Stadtzentrum, weil dort irgendwo die „Bushaltestelle“ liegt.

Ich bin ca. 1 Stunde vor Abfahrt da und es sammelt sich bereits eine Menschenmenge vor dem kleinen Häuschen, wo man die Tickets kaufen kann. Drin gibt es auf der einen Seite 4 Sitzplätze, die aber bereit belegt sind, und auf der anderen Seite stehen Taschen und Kisten. Der kleine Warteraum ist rappelvoll und von hinten drängeln Leute, die noch Tickets kaufen wollen.

Ich packe meinen großen Rucksack mit zu den Taschen und Kisten, weil ich noch schnell in den Supermarkt nebenan möchte, um meine letzten LEK in Snacks zu investieren. Dann werde ich auch schon sehr eindringlich von einem Mitarbeiter gebeten, wieder rauszugehen und den Eingang zum Ticketschalter zu räumen.

Das mache ich und gehe direkt weiter zum besagten Supermarkt um die Ecke. Ein paar Rundgänge und Rechnereien später, man möchte ja das Geld möglichst komplett ausgeben, aber an der Kasse auch nicht als Idiot dastehen, der nicht genug Geld zum Bezahlen hat, wandern ein paar Kekse, eine Nussmischung und eine große Flasche Wasser in den Einkaufskorb.

Keine 10 Minuten später bin ich zurück, schnappe mir meinen großen Rucksack und warte draußen an der Straße auf den Bus. Als ein Bettler vorbeikommt, drücke ich ihm meine restlichen Münzen in die Hand.

Der Bus kommt ca. 30 Minuten vor Abfahrt und ich wundere mich, dass beim Einstieg nur wenig gedrängelt wird. Eigentlich müsste doch jetzt das große Geschubse losgehen?

Wie ich dann recht schnell feststelle, sind auf den Tickets bereits Sitzplatznummern eingetragen. Man muss also nicht um die besten Plätze kämpfen, wie sonst üblich, sondern hat ganz entspannt schon seinen Sitzplatz sicher. Das war mir völlig entgangen bis jetzt.

Sehr nett, aber auch so völlig untypisch für Albanien. 😀

Ich verstaue den großen Rucksack unten im Frachtraum und nehme dann meinen Platz ein. Ich hoffe, dass der Sitz neben mir frei bleibt, das wäre schon cool.

Er bleibt frei. Sehr geil! Das gibt mir vielleicht die Möglichkeit, später etwas Schlaf zu finden.

Der Bus fährt dann gut gefüllt mit einer kleinen Verspätung los. Ich verabschiede mich von Sarandë, während es noch einmal quer durch die Stadt geht. Nachdem wir aus der Stadt sind, döse ich einfach nur vor mich hin. Draußen ziehen die Landschaften vorbei. Es geht teilweise ganz ordentlich durch die Berge.

Die Grenze ist nicht weit. Es ist ca. 19:45 Uhr, als wir dort ankommen.

Leider gibt es diesmal keine klaren Ansage, wie die Passkontrolle funktioniert. Sammeln sie alle Pässe ein? Kommt jemand in den Bus? Oder müssen wir raus zur Kontrolle?

Ich mag solche Unklarheiten nicht, aber gut. So ist es nunmal. Wird sich schon noch zeigen, wie es funktioniert.

Die ersten Leute steigen aus, während der Bus in der Schlange wartet. Ungefähr 10 Busse sind vor uns. Noch dazu EU-Außengrenze. Das wird dauern.

Ich steige auch aus, denn ich muss pullern. Ich muss die Toilette nicht lange suchen, denn es ist das kleine Häuschen mit der langen Schlange davor. Selbst bei den Männern muss man länger warten.

Während ich warte, krame ich in meinen Taschen und erinnere mich, dass ich meine letzten Münzen einem Bettler in Sarandë gegeben hatte. Hätte ich mal ein paar behalten, denn an der Toilettentür steht eine Art Aufpasser, der genau hinschaut, dass auch jeder etwas auf den aufgestellten Teller legt. Er pfeift sogar die Leute zurück, die es versuchen, ohne Obolus davonzukommen.

Oh je. Ich krame im Rucksack und die einzige Münze, die ich finde, ist ein 1 Pfund Stück. Das wird aber ein teurer Toilettengang. Aber was muss das muss. Und es drückt!

Nach 10 Minuten darf ich endlich auch. Puh das war nötig. 🙂

Als ich die Toilette verlasse, ist der Aufpasser plötzlich nicht mehr da. Oh na dann. Spare ich 1 Pfund. Sehr gut!

Mein Bus ist in der Zwischenzeit 2-3 Positionen vorgerückt.

Ich laufe etwas auf dem Parkplatz herum und begutachte die Läden und Bistros. Solche Grenzgebiete haben immer einen seltsamen Charme und ziehen komische Leute (ja ja auch mich, ich weiß) an. Es erinnerte mich ganz leicht an die Grenze zwischen Thailand und Kambodscha.

Auf jeden Fall kann man hier wunderbar Menschen beobachten.

Das tue ich und behalte meinen Bus im Auge. Denn je mehr dieser vorrückt, desto unsicherer werde ich wegen der Passkontrolle. Als er bereits die Nummer 3 in der Reihe ist, sehe ich, wie der zweite Busfahrer mit einem Stapel Pässe von der Grenze zurückkommt und zum Bus geht.

Oh hab ich etwas verpasst? Wurden die Pässe bereits kontrolliert?

Die Pässe werden im Bus verteilt und als er fertig ist, halte ich ihm meinen Pass entgegen und frage, was mit mir ist. Ein anderer Reisender, ebenfalls ein Deutscher, hat scheinbar das gleiche Problem und fragt dasselbe.

Unaufgeregt gibt der Mann uns zu verstehen, dass wir mitkommen sollen. Wir gehen mit ihm zusammen vor zur Grenze an eine Kontrollstelle. Nach etwas Warten kommt ein Uniformierter und bevor er beginnt einen auf dem Tisch liegenden Stapel an Pässen zu bearbeiten, stempelt er schnell unsere Pässe ab. Easy!

Zurück im Bus dauert es noch eine ganze Zeit lang, bis wir aus Albanien raus sind und vor der griechischen Grenze stehen. Es ist bereits 21:30 Uhr.

Jetzt müssen wir nochmal alle aus dem Bus und es werden auch alle Gepäckstücke ausgepackt. Also doch, oder? Sie kontrollieren an der EU-Außengrenze das Gepäck. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht.

Natürlich dauert das alles und ja, irgendwann kommen mehrere Uniformierte und jeder muss seine Tasche geöffnet vorzeigen. Bei einigen schauen sie nur kurz rein, andere müssen komplette alles auf bereitgestellten Tischen auspacken. Privatsphäre gibt es hier nicht. Interessant.

Bei mir gehen sie direkt vorbei und machen gar nichts. Okay. Soll mir recht sein.

Irgendwann ist auch das vorbei und nach der Passkontrolle in Griechenland ist es endlich geschafft. Gegen 22:30 Uhr geht es final weiter. Wir sind drüben. Heureka!

Das war mit knapp 3 Stunden bisher die längste Zeit für einen Grenzübertritt. Puh.

Ich versuche jetzt etwas zu schlafen, aber gerade als ich weggenickt bin, halten wir an einer Raststätte. Ich muss schon wieder pullern.

Zum Glück ist es hier ohne Anstehen und ohne extra Bezahlung möglich. Also gehe ich schnell pullern, drehe eine Runde auf dem Parkplatz und versuche dann weiter zu schlafen.

Den Rest der Fahrt verbringe ich zwischen Nickerchen und immer wieder kurzem Wachwerden. Typische Fahrt im Nachtbus halt.

Irgendwann gegen 5:15 Uhr kommen wir in Athen an. Alle steigen aus und ich schnappe mir mein Gepäck. Dann setze ich mich auf einen Betonklotz und überlege, was ich jetzt mache. Im Hostel kann ich erst 14 Uhr einchecken.

Drüben auf der anderen Straßenseite sehe ich 2 Cafés, jedoch sind diese noch zu. Ich schaue nach. Sie öffnen 6 Uhr. Also warte ich auf meinem Betonklotz.

Während ich warte fällt mir auf, dass irgendetwas anders und nicht normal ist. Es dauert eine Weile, bis ich darauf komme, was es ist. Und zwar sehr seltsam, aber vorbeifahrende Autos machen fast keine Rollgeräusche. Wie bitte?

Nach Athen_11

Es ist wirklich etwas unnatürlich, wenn man darauf achtet. Aber der Asphalt scheint hier ein ganz spezieller zu sein, der wirklich extrem stark alle Rollgeräusche schluckt. Wenn ein Auto vorbei fährt, hört man fast nichts davon. Es ist erstaunlich, dass die Lärmquelle Nummer 1 bei Autos scheinbar nicht der Motor ist, sondern die Rollgeräusche.

Ich habe so etwas schonmal als Test auf der Autobahn erlebt und fand es beeindruckend, aber hier so live zu erleben war auch nochmal richtig toll. Solch kleinen Dinge finde ich immer wieder faszinierend.

Irgendwann gehe ich zum gerade geöffneten Café rüber und hole mir einen Kaffee, einen Veggie-Wrap und ein Croissant. Willkommen in Athen, denke ich mir, und lasse es mir schmecken.

Während ich mein zeitiges Frühstück geniesse, überlege ich, wie ich die restliche Zeit überbrücken werde. Ich entschließe mich ins Zentrum zu laufen und dort in ein Café zu setzen, um etwas zu arbeiten. Hier das kleine Café eignet sich nicht dafür. Außerdem liegt das Zentrum auf halben Wege zum Hostel. Passt also.

Ich lasse mir Zeit beim Frühstück, trödele noch etwas rum und laufe dann ganz gemütlich Richtung Zentrum. Auf dem Weg notiere ich mir bereits 2-3 nette Lokalitäten. In eine davon werde ich später noch mehrmals zurückkehren, weil es hier das leckerste Avocado-Toast der Stadt gibt. Aber dazu im Tagebucheintrag zu Athen später mehr.

Auf dem zentralen Monastiraki-Platz angekommen, entscheide ich mich nach dieser etwas schlauchenden Nachtfahrt keine Experimente zu machen und steuere das nächstgelegene Starbucks an. Da weiß ich, was ich habe und da kann ich die Zeit bis 14 Uhr locker absitzen.

Dort angekommen hole ich mir einen Flat White und ein Stück Zitronenkuchen. Ich setze mich an einen Fensterplatz und packe meinen Laptop, die Kopfhörer und mein Handy aus und schaue etwas YouTube, während ich mein 2. Frühstück genieße.

Es ist ca. 9:30 Uhr und es ist ein schöner sonniger Tag. Ich bin zum ersten Mal in Griechenland und freue mich darauf ein neues Land kennenzulernen. Alles ist gut.

Und dann passiert es leider. 🙁

Ich weiß nicht mehr so genau, was ich eigentlich aus meinem Rucksack holen wollte, aber als ich danach greife, ist dieser nicht mehr da.

NEIN! Bitte nicht! Mein Rucksack ist weg!

Gestohlen!!!

Es läuft mir eiskalt den Rücken runter und ich bin für ein paar Sekunden nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen.

In dem Rucksack sind alle meine Dokumente, alle meine Kreditkarten, mein Bargeld und andere recht wichtige Sachen, wie zum Beispiel mein Impfpass.

Alles weg!!! 🙁 🙁 🙁

Na toll. Was für ein herzlicher Empfang. Willkommen in Griechenland!

CU Ingo.


Rucksack gestohlen

R.I.P.

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