Weltreise Step #27: In Sarandë

Sarandë 2022 Titel

:: 16.08.2022 bis 19.08.2022 – Sarandë, Albanien ::

Wie befürchtet stellt sich Sarandë sehr schnell als die Urlaubs- und Touristadt heraus, von der ich vorab gelesen hatte. Am Meer ist wirklich jeder Meter verbaut und es reiht sich ein Hotel an das andere. Wenn man am Strand chillen möchte, muss man dafür bezahlen.

Das alles mag ich gar nicht so, also fällt im Meer schwimmen und am Strand abhängen schonmal komplett flach. Schade!

Zum Glück hatte ich die volle Portion Meer grad erst in Himarë genossen. 😉

Aber ich bin eigentlich gar nicht deswegen hier, für mich soll Sarandë ja nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Griechenland sein, um hier die etwas abseits gelegene historische Stadt Butrint zu besuchen. Eigentlich ist Butrint keine Stadt mehr, war es aber über die letzten 3 Jahrtausende (!) und man kann im gleichnamigen Nationalpark heute entweder seltene Wasservögel beobachten oder durch die Ruinen streifen, um etwas Geschichte zu erleben.

Zu Butrint werde ich aber extra einen kleinen Beitrag schreiben, heute soll es eher um die Zeit in Sarandë gehen.

Gleich am ersten Abend mache ich Bekanntschaft mit der Person, deren Medikamente sich in der Mitte des Zimmer verteilt hatten. Eine ältere italienische Frau, stark übergewichtig und bei jeder Bewegung merkt man sofort, dass es ihr schwerfällt. Sie sieht wirklich nicht gesund aus.

Ich frage sie, ob alles okay ist und zeige dabei auf die Medikamente. Sie spricht kaum Englisch, wie ich feststellen muss. So erfahre ich leider nicht wirklich, was mit ihr ist. Da sie aber nach der Einnahme ihrer Medikamente ziemlich schnell auf eine 0,5er Büchse Bier umstellt, kann es wohl nicht so wild sein, oder? Sie bietet mir auch ein Bier an, was ich dankend ablehne.

In der Nacht bewahrheitet sich dann meine Befürchtung, sie schnarcht extrem und macht ständig sehr unangenehme Geräusche, egal ob beim Atmen oder wenn sie versucht ihren übergewichtigen Körper im Bett zu bewegen.

Ich bin ehrlich nicht sicher, was ich davon halten soll und schwanke ständig zwischen Mitleid und genervt sein. Auf eine gewisse Art und Weise hat sie meinen Respekt, dass sie sich in dem Zustand nicht zu Hause versteckt und trotzdem versucht etwas zu erleben, jedoch fühle ich mich einfach nicht wohl mit ihr zusammen im Zimmer.

Aber hey, das ist etwas, was man in einem Hostel auch immer im Hinterkopf haben sollte, man muss manchmal mit Leuten klar kommen, die eindeutig die eigene Komfortzone austesten. Und dabei ist egal ob das bewusst oder unbewusst passiert.

Die Frau wird zum Glück nach 2 Nächten abreisen, was sich ab dem Zeitpunkt sehr positiv auf mein allgemeines Wohlbefinden auswirkt.

Ansonsten führe ich während der Zeit im „Hasta La Vista“ Hostel in Sarandë immer wieder nette Gespräche mit den anderen Zimmerbewohnern. Sei es mit dem ständig leicht aufgeregt wirkenden Polen, der unter mir schläft und dessen Namen ich nie richtig verstanden habe, oder mit Nadia, einer Tunesierin, die in Luxembourg arbeitet und hier in Sarandë Kurzurlaub macht.

Abgesehen von Tipps über Sehenswürdigkeiten in der Umgebung oder allgemein in Albanien, ist es auch immer wieder toll, wenn man sich mit jemanden austauschen kann, der echtes Interesse an bestimmten Dingen hat, über die man selbst gerne spricht. Sei es das Reisen an sich und wie man das alles finanziert, oder einfach auch nur was es mit einem macht und wie es auf die eigene persönliche Entwicklung Einfluss hat.

Ich bekomme ja häufig die Frage gestellt, ob man beim alleine Reisen nicht einsam ist. Die Antwort ist, wenn man möchte, dann ist man allein und wenn man ständig allein ist, ist man wahrscheinlich auch irgendwann einsam. Aber wenn man das nicht möchte, ist man halt auch nie allein. Speziell in Hostels gibt es so viele Alleinreisende und du kannst jederzeit mit ihnen interagieren und in Kontakt treten. Es ist wirklich einfach. In den meisten Fällen reicht ein Lächeln und ein „Hi!“. That’s it!

Davon abgesehen mag ich es, auch mal völlig allein unterwegs zu sein. Solange ich jederzeit nach Lust und Laune entscheiden kann, ob ich Kontakt haben möchte oder nicht, ist alles gut.

Frei nach dem Motto: Ich bin gern allein, aber nicht so gern einsam. 😉

Den ersten Tag nutze ich zum Einkaufen in einem großen Supermarkt. Ich kaufe mir Ölivenöl, Tomaten, Käse (ja ich hab mal Lust auf richtigen Käse), Kaffee, Kekse und ein großes Glas Feigenmarmelade. Die ist hier so schön günstig und lecker. Beim Bäcker gibt es dazu noch ein frisches Weißbrot.

So werde ich mich hier die Tage in Sarandë selbst verpflegen und die Küche im Hostel zur Abwechslung mal nutzen.

Auch wenn ich bisher über Sarandë nicht so gut gesprochen habe, ein paar schöne und interessante Sachen gibt es hier doch.

So habe ich den ersten eigenständigen Smoothie-Laden außerhalb des limitierten Angebots der Coffee Shops gefunden. Also so einen richtigen mit ordentlicher Auswahl und vor allem auch mit grünen Smoothies. Da muss ich natürlich mehrmals vorbei und zugreifen während meines Aufenthaltes hier.

Dann gibt es am Abend immer einen kleinen Basar auf der Strandpromenade, mit handgemachten Sachen und allem möglichen Kram. Ja leicht touristisch, aber trotzdem sehr interessant. Leider kann man als Backpacker nicht ständig ein kleines Andenken kaufen, weil selbst die kleinsten Dinge sehr schnell den Rucksack voll und schwer machen.

Und dann entdecke ich doch tatsächlich das erste rein vegane Restaurant in ganz Albanien. Zumindest behaupten sie das von sich und meine „Happy Cow“ App bestätigt das auch. Der Name ist „Green Life Market“ (Instagram-Link) und als ich dort vorbeigehe, werde ich sehr nett von einer Kanadierin und einem Einheimischen (zumindest vermute ich das) begrüßt.

Das Restaurant ist auf den ersten Blick noch eine Baustelle, die Eröffnung fand vor 2 Wochen statt. Aber hier in Albanien ist das scheinbar normal. Erstmal eröffnen und den Verkauf starten, man muss ja Geld verdienen, und der Rest kommt danach. Man gewöhnt sich daran.

Wir schwatzen eine ganze Weile und sie erklären mir, was sie mit dem Restaurant alles vorhaben und das sie aktuell nur mit Reservierung und zu bestimmten Zeiten am Abend offen haben. Sie müssen genau planen und können nicht auf gut Glück produzieren bzw. kochen, weil die Beschaffung der richtigen Lebensmittel noch sehr schwierig ist. So müssen sie zum Beispiel ihren Tofu selbst produzieren, weil es den in Albanien einfach nicht zu kaufen gibt.

So geht es ihnen leider mit sehr vielen Sachen. Vegan ist in Albanien kein Thema.

Erschwerend kommt hinzu, dass sie sehr strikt mit Plastik und allgemein mit Verpackungen sind. Das macht es dann richtig kompliziert. Ich weiß nicht, ob sie sich mit dieser restriktiven Vorgehensweise das Leben gerade jetzt zum Anfang nicht zu schwer machen. Aber hey, ihr Laden, ihre Regeln.

Auf jeden Fall sind sie sehr engagiert und sympathisch. Ich wünsche ihnen viel Glück und wer weiß, vielleicht kehre ich ja irgendwann nach Sarandë zurück und dann ist es ein richtig gut funktionierendes Geschäft. Ich würde mich freuen, wenn sie die vegane Revolution in Albanien starten.

Einen Tag verbringe ich komplett im Hostel. Sie haben im Keller eine schöne Möglichkeit geschaffen zum Arbeiten. Ein großer Tisch, Steckdosen in der Nähe und die Temperatur ist gut zum Aushalten. Dort nutze ich die Zeit, um ein paar Artikel zu schreiben.

Während ich dort arbeite, gibt es einen kleinen Tumult im vorderen Bereich des Raumes. Dort hat sich scheinbar eine Frau in der Dusche eingeschlossen und die Tür lässt sich nicht mehr öffnen. Eine ewig lange Zeit versuchen mehrere Personen die Tür zu öffnen. Um die Frau zu beruhigen, greift einer sogar zur Gitarre und spielt ihr etwas vor. In der Zwischenzeit sucht scheinbar ein Volunteers das passende Werkzeug, um die Tür aufzubrechen.

Ich verfolge die Szene nicht im Detail, auch wenn das an sich interessant und (in meinen Augen) lustig anzuschauen ist. Aber irgendwann haben sie die Tür dann doch ohne größere Gewalt geöffnet und die Frau befreit. Sie scheint sehr happy darüber zu sein.

Zum Ende hin meiner Zeit in Sarandë, kundschafte ich die Möglichkeiten aus, um weiter nach Griechenland zu kommen. Es scheint nur eine Busgesellschaft zu geben, die mit einem richtigen Bus, also nicht nur einem Minivan oder so, direkt bis nach Athen durchfährt. Es fährt einer früh um 6 Uhr oder abends um 18 Uhr.

Ich entscheide mich für den Nachtbus 18:00 Uhr. So bin ich früh nicht im Stress und spare eine Übernachtung im Hostel. Spar-High-Five!

Ausnahmsweise darf und soll ich hier sogar 1 Tag vor Abfahrt ein Ticket kaufen. Hach da blüht mein Herz doch auf. Ich habe wieder etwas Planungssicherheit zurückgewonnen. Kein irgendwo hinlaufen und hoffen, dass ein Fremder die richtige Stadt rumschreit. Danke!

Also kaufe ich ein Ticket und dann geht es morgen weiter nach Athen. Mit Griechenland wartet ein neues Land auf mich. Ich bin gespannt, was ich da alles erleben werde.

CU Ingo.


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