Weltreise Step #23: In Berat

Berat 2022 Titel

:: 03.08.2022 bis 07.08.2022 – Berat, Albanien ::

Berat teilt sich wie viele Städte in eine Altstadt und den Rest. Mein Hostel heißt Hostel Mangalem (10 EUR/Nacht inkl. Frühstück) und liegt im gleichnamigen Stadtteil Mangalem. Dies ist einer der 3 Stadteile, die man zur Altstadt zählt und die besonders schön anzuschauen sind.

Die anderen Beiden sind Gorica (liegt auf der gegenüberliegenden Flussseite) und Kalaja (das Burgenviertel oben auf dem Berg). Ich werde mich während meiner Zeit hier nur in diesen 3 Stadtteilen bewegen. Der Rest der Stadt ist eher weniger interessant.

Den Beinamen „Die Stadt der 1.000 Fenster“ hat Berat daher, dass nach einem Erdbeben im Jahr 1851 ein bestimmter Typ Haus beim Wiederaufbau außerordentlich oft Verwendung fand. Diese Häuser hatten für die damalige Zeit außergewöhnlich viele Fenster und in der Altstadt von Berat gibt es sooo viele davon.

Im Hostel übernachte ich die 1. Nacht in einem Zimmer ohne Klimaanlage, obwohl ich ein Zimmer mit Klimaanlage gebucht hatte, denn auch das passiert nicht zum ersten Mal, das Hostel ist überbucht. Klassiker und nervig!

Aber es geht, auch wenn es hier in der Nacht nur knapp unter die 30 Grad sinkt. Zumindest funktioniert der Lüfter im Zimmer und keiner hat etwas dagegen, die Tür offen zu lassen. Ab Tag 2 habe ich dann ein Zimmer mit Klimaanlage, was echt eine Erlösung ist.

Den ersten Tag nutze ich wie immer, um die Lage zu sondieren. Wo gibt es ein nettes Café zum Arbeiten? Ah ja da. Eines mit leckeren Kaffee und so la la Internet und ein anderes mit so la la Kaffee, aber dafür superschnelles Internet. Noch so ein Klassiker!

Aber hey, immerhin habe ich jetzt die Wahl.

Außerdem gehe ich zum Maya Hostel, weil ich gehört habe, dass sie dort Touren in den nahen Osum Canyon organisieren. Da würde ich gern hin.

Also geh ich zum Hostel und frage. Die Frau, die dort gerade den Raum kehrt, gibt mir zu verstehen, dass der Verantwortliche ein Nickerchen macht. Mhhh 11:00 Uhr. Kann man machen.

Während ich noch überlege, ob ich darauf bestehen soll, dass sie ihn wach macht, geht sie von alleine los und sagt, ich soll einfach warten. Ich warte.

Nach 5 Minuten kommt ein verschlafener Typ und ich mache mit ihm die Tour (40 EUR inkl. Mittagessen) klar.

Meine Fragen werden zwar alle beantwortet, aber Enthusiasmus schaut anders aus. Okay, er kam grad aus dem Bett gekrochen, aber trotzdem irgendwie keine 100% Wohlfühlsituation. Es macht sich Antipathie breit.

Ich frage zum Schluss, ob er die Tour selbst macht, weil ich während des Gesprächs im Kopf entschieden habe, mit dem Typen nicht einen ganzen Tag verbringen zu wollen. Zum Glück verneint er. Ich sage der Tour für morgen zu.

Nach diesem Akt laufe ich etwas durch die Mittagshitze und mache ein paar Fotos. Zum Abkühlen geht es dann in das Café #1, etwas am Laptop arbeiten. Zum Nachmittag spaziere ich den verwaisten Boulevard entlang zum Café #2. Es hat mittlerweile 38 Grad.

Ich habe Lust auf einen Flat White.

Dort angekommen gibt es auf der Karte alles, aber keinen Flat White. Willkommen in meinem Leben!

Ich versuche mich an einer Erklärung. Mit Hilfe von bebilderten Listen im Internet klären wir, was einen Flat White von einem Cappuccino oder einen Macchiato unterscheidet. Die nette ältere Dame hinter der Theke versucht sich und bekommt etwas hin, was in etwa so wie Flat White aussieht und erstaunlich gut schmeckt.

Ich bin zufrieden und gebe ihr einen Daumen hoch. Ein fühlbar echtes Lächeln kommt zurück. Da ist noch jemand happy. Ob sie ihrer Familie heute Abend von dem verrückten Ausländer erzählt, der so’n komischen neuen Kaffee wollte? Ich glaub schon irgendwie.

Bei 22 Grad im Café lässt sich aushalten und ich gehe erst gegen 18 Uhr, als die Temperatur langsam anfängt zu sinken. Das wird mit Ausnahme der Tour in den Osum Canyon auch mein Tagesrhythmus hier. Chillen im Hostel oder Café bis 18 Uhr und dann erst rausgehen. Es ist einfach zu heiß.

Die Idee habe nicht nur ich. Tagsüber sind die Straßen leergefegt und füllen sich erst ab 18:00 Uhr merklich. Zwischen 20:00 und 22:00 Uhr platzen sie aus allen Nähten, so viele Menschen sind dann draußen unterwegs. Verrückt.

Hier gibt es ein mexikanisches Restaurant direkt hinter dem Café? Okay gut, muss ich mir merken. Das wäre mal eine Abwechslung. Denn wenn man in Albanien Essen ohne Fleisch sucht, dann hat man meist nur die Auswahl zwischen mit Reis & Tomaten gefüllten Paprikaschoten, mit verschiedenen Gemüse gefüllten Auberginen oder den klassischen Salat in verschiedenen Variationen. Auf Dauer etwas eintönig und Auberginen sind jetzt auch nicht gerade meine Lieblinge.

Ich esse heute mal wieder gefüllte Paprikaschotten.

Am nächsten Tag frühstücke ich zeitig im Hostel. Es gibt immer genau 1 Gurke, 1 Tomate, 2 Scheiben Weißbrot und dazu von der Mama selbstgemachte sehr leckere Marmelade, 1 Glas Milch und 1 Stück Art Feta. Ich lehne die Milch und den Käse ab. Die Mama tauscht diese ab Tag 3 vorsorglich gegen 1 Apfel oder 1 Banane ein. Sehr aufmerksam!

Sie ist so süß mit ihrer handvoll englischen Wörtern. Genau wie der Sohn, der das Hostel führt. Ich glaub sein Name ist Bert oder Berti, aber ich bin mir nicht sicher. Sie sind so bemüht und hilfsbereit und versuchen das etwas in die Jahre gekommene Haus mit Leben und Wohlfühlatmosphäre zu füllen. Es gelingt ihnen ganz gut.

Ich bin pünktlich 8:45 Uhr am Hostel Maya für die Tour zum Osum Canyon und…

…ich bin allein. Niemand da. Nur der Deutsche ist pünktlich. Ich muss darin noch besser werden, nehme ich mir vor.

10 Minuten später tauchen 2 Mädels auf, eine Australierin und eine aus UK. Beide sehr jung und mit großer Klappe, aber wir haben zumindest Spaß bis noch mehr Leute eintrudeln. Die Gruppe wird insgesamt 8 Personen groß, was ich noch okay finde. Größer wäre doof gewesen.

Wir fahren mit einen Kleinbus ca. 1 Stunde zum Bogovë Nationalpark. Kurzer Kaffeestop und dann geht es zum Bogovë Wasserfall.

Vor uns ist schon eine Gruppe da und auf den ersten Blick wirkt es voll. Ist es auch, aber die Gruppe geht dann zum Glück nach einiger Zeit und ab da sind wir mit ein paar Einheimischen allein am Wasserfall.

Es ist traumhaft schön.

Jetzt im Sommer kommt gerade noch so viel Wasser den Berg runter, dass der vorgelagerte Naturpool optimal gefüllt ist zum Schwimmen. Das Wasser hat zwar nur 11 Grad, was echt kalt ist, aber die Gelegenheit lasse ich mir nicht nehmen und springe rein.

Wow! DAS ist frisch! Ich halte es vielleicht 3-4 Minuten aus, bevor ich raus muss. Zum Glück wärmt die Sonne einen sofort wieder auf. Aber ein 2. Mal gehe ich trotzdem nicht rein. DAS WAR KALT!

Wir chillen noch einige Zeit am Wasserfall und geniessen die wunderschöne Szenerie.

Dann geht es zurück zum Kleinbus. Auf dem ca. 10 minütigen Weg unterhalte ich mich mit einer Deutschen aus der Gruppe, die 2021 ihren Job gekündigt hat und jetzt als freie Übersetzerin versucht sich durchzuschlagen. Wir tauschen uns über die Selbstständigkeit in Verbindung mit dem Reisen aus. Sehr interessant.

Die Fahrt mit dem Kleinbus geht dann ca. weitere 30 Minuten bis zum Osum Canyon. Wir halten zwischendurch 2 Mal an Aussichtspunkten, um Fotos zu machen. Natürlich nutze ich die Gelegenheit ausgiebig.

An irgendeiner Stelle unten im Osum Canyon angekommen, machen wir uns fertig, um den Canyon hinauf zu „wandern“. „Wandern“ bedeutet an der Stelle, dass man die meiste Zeit im Fluss schwimmt, weil es gar keinen richtigen Weg gibt. Der Fluss nimmt oft die gesamte Breite des Canyon ein.

Das Wasser hat hier erstaunlicherweise sehr angenehme 20 Grad. Und auch wenn ich gern das glasklare türkise Wasser vom Wasserfall gehabt hätte und nicht dieses etwas schlammige Wasser vom Fluss Osum hier, die 20 Grad sind mir dann doch lieber als die 11 Grad vorhin.

So „wandern“ wir also durch diese tolle Landschaft den Osum hinauf und entdecken immer neue wunderschöne Ecken. Es ist einfach eine tolle Erfahrung. Prädikat empfehlenswert!

Am Ende unseres „Weges“ legen wir uns in ein paar Stromschnellen und das Wasser massiert wunderbar die Schultern und den Rücken. Nach ein paar Minuten nicke ich fast ein. Herrlich!

Irgendwann machen wir uns dann wieder auf. Es geht den gleichen Weg zurück und ich kann noch einmal die schöne Landschaft geniessen.

Am Ausgangspunkt angekommen bemerke ich, dass mein Dry Bag leider gar nicht so Dry gehalten hat. Argh! Meine Sachen sind feucht und meine Kamera hat den Geist aufgegeben.

Es tropft Wasser aus dem Batteriefach!

Kein gutes Zeichen. Gar kein gutes Zeichen. Dabei soll die Kamera selbst doch eigentlich auch „waterproofed“ sein? Bisher gab es selbst im Starkregen keine Probleme und jetzt das.

Dann versuche ich mein Handy zu laden und zack, kein Laden möglich. Die Meldung „Es befindet sich Wasser im Lightning-Anschluss.“ kenne ich. Das sollte in 5-6 Stunden erledigt sein. Sie beunruhigt mich aber trotzdem in dem Moment.

Naja, ich kann es jetzt nicht ändern. Also konzentriere ich mich auf das leckere Essen, was uns serviert wird. Ich bin richtig hungrig. Das hatte ich ja schon lange nicht mehr.

Pommes, gegrilltes Gemüse, Brot mit Zaziki. Und ja, ich greif auch mal bei dem gegrillten Hähnchen zu. Es duftet einfach zu lecker. Und es schmeckt sehr gut!

Zum Ende des Essens hin bemerke ich, dass meine linke untere Gesichsthälfte anfängt wie taub zu werden. Was ist das denn jetzt für ein Mist?

Erst die Kamera, dann das Handy und jetzt ich? Alle 3 kaputt irgendwie, oder?

Ich höre auf zu essen. Die Stelle wird dick und wenn ich mit dem Finger darauf klopfe, tut es weh. Es fühlt sich fast so an, als wenn mich eine Wespe dort gestochen hätte und ich darauf reagiere. Aber ich bin ziemlich sicher, dass mich nichts gestochen hat, außer es war im Essen, aber auch das hätte ich gemerkt, oder?

Oder war ich gegen etwas im Essen allergisch? Kenne ich so von mir eigentlich nicht und ich habe nichts gegessen, was ich nicht schon vorher mal probiert hätte. Wobei, dass Hühnchen war neu. Aber man kann doch nicht gegen Hühnchen allergisch sein, oder doch?

Ich werde diesen und die nächsten 2 Tage damit leben, aber zum Glück nimmt es irgendwann wieder ab und während ich das hier schreibe, ist alles wieder gut. Ich weiß bis heute nicht, was das war. Verrückte Sache!

Mal von dieser komischen Sache abgesehen, die Tour war toll und ich bin froh, es gemacht zu haben. Die Bilder und Eindrücke vom Wasserfall und Canyon werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

Am Abend zurück im Hostel lege ich erstmal Kamera und Handy zum Trocknen aus. Das Handy funktioniert direkt an dem Abend schon wieder, die Kamera am Tag darauf. Puh! Alles gut gegangen. Ich bin so happy.

Nachdem ich die Kamera schon in Tirana im Café liegen gelassen (Hatte ich das eigentlich im Tirana-Blog erwähnt gehabt?) und jetzt mit Wasser geflutet habe, was kommt als Nächstes? Ist das ein Zeichen, dass ihre Zeit gekommen ist oder eher ein Zeichen, dass sie immer bei mir bleiben wird? Mhhh…

Die nachfolgenden Tage sind total unspektakulär. Lange schlafen, spät frühstücken, dann im Café mit Laptop chillen und ein klein wenig arbeiten, auch um der Hitze zu entgehen, und dann Abends etwas zum Essen suchen.

Ich probiere auch das mexikanische Restaurant aus und bestelle Enchiladas. Dank eines Kommunikationsproblems bekomme ich diese mit Hühnchen. Argh! Schon wieder Fleisch.

War trotzdem lecker und mal was anderes. Hab es nicht bereut.

Und nein, dieses Hühnchen führte nicht wieder zu einer dicken Wange.

An einem der Tage schaffe ich es dann auch endlich mal die 200 Meter hoch zur Burg oder wie sie hier in Berat sagen: The Castle. Ich gehe so los, dass ich 19:00 Uhr oben bin. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang.

Oben begegne ich einem Inder, den ich vorher im Hostel kennengelernt und mit dem ich mich ausführlich über indisches Essen ausgetauscht hatte. Er sieht fast wie Gandhi aus. Es fehlte nur dieses knielange weiße Hüfttuch und die Sandalen. Verrückt.

Als ich ankomme, verdeckt noch eine Wolke die Sonne. Auch jetzt sieht es schon sehr schön aus. Aber so richtig spektakulär wird es dann in der Tat, als die Wolke sich verzieht, die Sonne rauskommt und alles goldgelben färbt. Heißt ja nicht umsonst goldene Stunde, diese spezielle Zeit kurz vor Sonnenuntergang.

Ich mache ein paar Fotos, sitze dann einfach da und bestaune von hier oben das immer rötlicher werdende Berat. Besonders den Blick über den Fluss runter zum gegenüberliegenden Stadtteil Gorica kann man von der Burg wunderbar genießen.

Während ich so dasitze, fragen mich nacheinander mehrere Leute, ob ich Fotos von ihnen machen kann. Ich wundere mich nicht, denn wenn ich die große Kamera dabei habe, werde ich öfters so etwas gefragt. Da meint wohl jeder, der weiß wie es geht.

Und Recht haben sie, denke ich mir, klopfe mir gedanklich auf die eigene Schulter und mache die Fotos. Ich sollte Geld dafür verlangen. Das würde meine Reisen finanzieren.

Zurück im Hostel registriere ich erfreut, dass der Typ, der mich die letzten 2 Nächte durch sein Schnarchen und Husten wachgehalten hat, endlich weitergezogen ist. Ich hatte die letzten Wochen ziemlich viel Glück und nach den anfänglichen Kapriolen mit Schnarchern dann kaum noch Probleme solcher Art. Aber hier in Berat war es die letzten 2-3 Nächte echt wieder schlimm.

Nach der ersten Nacht fragte ich ihn, ob alles okay ist. Ja es sei alles okay, er müsse wohl nur mal einen Abend auf die kalten Getränke verzichten. Okay wer weiß. Klingt vernünftig.

Am Abend sehe ich ihn dann im Hostel mit min. 2 eiskalten Bieren den Abend verbringen. Tja, was soll man dazu sagen.

In der Nacht hat der Typ einen solchen Anfall, dass ich denke, er erstickt an seinem Husten. Alle im Zimmer sind wach. Na gut, nicht alle. Gandhi bemerkt davon scheinbar nichts. Ich beneide ihn in dem Moment.

Aber gut, nun ist der Typ weg. Diese Nacht schlafe ich wie ein Baby. Tut das gut!

Davon abgesehen, ich finde es toll in Berat. Die Altstadt ist wunderschön anzuschauen, die Tour zum Osum Canyon und Bogovë Wasserfall war super interessant und es gibt genug Cafés und Restaurants, um es sich hier gut gehen zu lassen.

Ich war 6 Tage hier. Morgen geht es dann weiter nach Himarë ans Meer. Endlich ans Meer. Darauf freue ich mich besonders.

CU Ingo.


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