Weltreise Step #121: Auf nach Seoul

Nach Seoul 2023 Titel

:: 20.09.2023 – Von Tokyo/Tokio nach Seoul ::

Heute geht es nach Seoul in Südkorea. Das Land Nummer 45 für mich. Noch 5 bis zur 50. Auch wenn diese Zahl nur symbolische Bedeutung hat, schließlich könnte ich, wenn ich wollte, viel schneller reisen und mehr Länder „sammeln“, so ist es doch eine Art Meilenstein. Wer weiß, vielleicht wird es irgendwann auch eine 100 geben?

Es gibt über 190 Länder, je nachdem, welche Liste man zu Rate zieht, etwas mehr oder weniger. Ich habe nicht vor, alle Länder der Welt zu bereisen, schon weil ich einige Länder grundsätzlich ablehne und aus „Gründen“ nie betreten würde, aber als kleiner Statistik-Nerd bin ich von Zahlen wie „das 50. Land“ oder „das 100. Land“ irgendwie fasziniert.

Na egal, am Ende ist es bedeutungslos, aber ich habe meinen Spaß damit gehabt. Passt schon!

Zum Flughafen

Ich stehe gegen 5 Uhr auf. Seltsamerweise bin ich kurz vor dem Weckerklingeln von selbst aufgewacht. Das passiert mir selten. Bin ich vielleicht aufgeregt?

Nein, dafür bin ich zu viel unterwegs und das Ganze ist irgendwie zur Routine geworden. Es war wohl eher Zufall oder Intuition.

Ich packe schnell meine Sachen, putze mir die Zähne und dann geht es los. Zuerst fahre ich mit der Metro zur Ueno Station und laufe von dort ca. 300 Meter zum separaten Bahnhof für den Sky Liner zum Flughafen.

Das ist ein Schnellzug, der auf dem Weg zum Flughafen nur an wenigen Stationen hält, deshalb dauert die Fahrt „nur“ ca. 45 Minuten. Das ist immer noch lang, aber mit dem regulären Zug oder Bus dauert es fast doppelt so lange.

Ich hätte auch den normalen Zug genommen, wenn mein Flug am Nachmittag gegangen wäre, aber jetzt so früh am Morgen ist mir die Zeitersparnis wichtiger als die Mehrkosten für den Sky Liner. Denn die Fahrt ist mit 2.570 YEN (~16,25 EUR) nicht gerade billig. Der normale Zug kostet nur 1.050 YEN (~6,65 EUR) und der Bus liegt irgendwo dazwischen.

Egal, Zeit ist jetzt mehr wert, also nehme ich den teuren Sky Liner, lasse Tokyo zum Abschied gedankenverloren an mir vorbeiziehen und bin pünktlich ca. 2 Stunden vor Abflug am Terminal 1 des Flughafens Narita.

Trouble am Flughafen

Ich fliege zum ersten Mal mit Zipair, einer japanischen Billigfluggesellschaft. Mit Ryanair oder EasyJet kann man das aber nicht vergleichen. Allein die Beinfreiheit ist um Welten besser. Love it!

Das Einchecken geht schnell, nachdem ich den richtigen Schalter gefunden habe. Das war gar nicht so einfach, da schlecht ausgeschildert, aber auf Nachfrage wurde ich korrekt eingewiesen.

Als ich zur Sicherheitskontrolle gehe, wird sie gerade geöffnet. Mein Flug ist also einer der ersten des Tages. Ich habe kurz Bedenken wegen der sehr langen Schlange, die sich gebildet hat, aber die löst sich sofort nach der Öffnung auf, weil genügend Kontrollschleusen besetzt sind und alles super schnell geht.

Hier in Japan ist es das erste Mal in Asien, dass ich aufgefordert werde, meinen Laptop aus dem Rucksack zu nehmen und separat abzulegen. Ich kenne das zwar aus Europa, aber bisher musste ich das in Asien noch nie machen. Ich habe es immer im Rucksack gelassen, wie alle anderen auch, und es ist so durchgegangen. Das war sehr angenehm.

Dann wird meine Schale mit dem Rucksack auch noch zur Sonderkontrolle geleitet und ich muss alles auspacken. Was wollen die denn? Das habe ich ebenfalls seit Europa nicht mehr erlebt, dass ich extra kontrolliert werde.

Am Eingang des Flughafens hatte ich mir bei 7-Eleven ein Sandwich mit Eiersalat und eine Art Puddingkuchen-Dessert zum Löffeln gekauft. Das Sandwich interessierte sie nicht, aber das Dessert durfte ich wegen der Sicherheitsbestimmungen nicht mit ins Terminal nehmen.

Okay, ich muss nicht verstehen, warum ein Pudding in einem Plastikbecher ein Problem ist, aber gut. Löffel ich ihn eben gleich hier an der Sicherheitskontrolle aus.

Es ist schon eine etwas seltsame Situation (im Englischen würde man awkward sagen), wie ich so vor der Beamtin stehe und genüsslich meinen Pudding löffle, aber die Japaner sind da cool. Sie schaut mich lächelnd an und wartet mit einer Engelsgeduld.

Als das geschafft ist, kann ich endlich durch und sehe zu meiner Freude am Gate eine Menge Vending Machines. Darauf hatte ich gehofft, denn so kann ich meine letzten YEN in etwas Leckeres zum Trinken umwandeln. Es wird ein Costa Coffee, der gleiche, mit dem ich direkt nach der Landung hier meine erste Erfahrung mit einem dieser Automaten gemacht habe, und ein Wasser.

So schaffe ich es endlich mal wieder, mein ganzes Bargeld sinnvoll auszugeben und nichts in das neue Land mitzunehmen. Bargeld nervt einfach auf Reisen!

Dann chille ich mit meinem letzten himmlischen Eiersalat-Sandwich (wer nach Japan oder Taiwan kommt, muss das unbedingt probieren) und meinem Costa Coffee am Gate und warte auf das Boarding.

Plötzlich höre ich, wie ein Herr Ingo (ja, nur Vorname, kein Nachname, lustig) ausgerufen und zum Gate beordert wird? Huch, habe ich das Boarding verpasst? Denn das bin doch bestimmt ich, oder? Wie viele Ingos sind wohl gerade am Flughafen Narita in Tokyo? Und es ist mein Gate.

Ich gehe also zügig dorthin und bin dabei dann doch ein bisschen aufgeregt, weil ich das so noch nie erlebt habe.

Am Gate begrüßt mich eine nette Dame und leitet mich zu zwei weiteren netten Damen weiter, die mit meinem großen Rucksack da stehen, den ich beim Einchecken abgegeben hatte. Drogen können es ja wohl nicht sein, denke ich mir im ersten Moment. Oder hat mir jemand etwas untergeschoben?

Sie erklären mir, dass sie mein Gepäck durchsuchen müssen und dies nur tun können, wenn ich anwesend bin. Sie hätten eine Batterie oder einen Akku auf dem Scanner gesehen.

Ach, daher weht der Wind, aber ich habe gar keine Batterie in meinem großen Rucksack. Und auf dem Foto, das sie mir zeigen, ist die markierte Stelle extrem klein. Mhhh was kann das nur sein?

Wir räumen meinen Rucksack aus und nach einer Weile fällt mir ein, dass ich den Ersatzakku für meine Pentax-Kamera eigentlich immer in meiner Kabeltasche habe. Das mache ich schon immer so und in all den Jahren und unzähligen Flügen war das noch nie ein Problem.

Ja, ich weiß, dass man keine Batterien oder Akkus ins Aufgabegepäck packen darf. Aber wie gesagt, es ist nur ein kleiner Akku und es war noch nie ein Problem. Außer jetzt hier in Japan.

Aber die Damen sind nett, bitten mich logischerweise, den Akku ins Handgepäck zu nehmen, und nachdem ich meinen großen Rucksack wieder vollgepackt habe, ziehen sie mit ihm ab.

Und dann beginnt direkt das Boarding.

Der Flug

Der Flug selbst verläuft nach der kleinen Aufregung völlig unspektakulär.

Dieses Mal sitzt auch niemand auf meinem Platz und obwohl ich mir in meinem Tarif bei Zipair keinen Platz aussuchen durfte, ist es trotzdem ein Fensterplatz geworden. Toll!

Und was auch toll ist, das Bodenpersonal in Japan winkt wirklich dem Flugzeug zum Abschied und alle verneigen sich am Ende. Sooo süß!

Ich bekomme sogar ein Essen, was mich wundert, aber wahrscheinlich war das im Gegensatz zur Platzwahl im Preis inbegriffen. Seltsam.

Es ist Sushi und es ist eklig. Ich beiße zweimal ab und lege es weg. Wie kann man so etwas anbieten? Ich habe in Japan so leckeres Sushi gegessen, aber das hier ist Dreck. Sorry, es ist einfach so.

Egal, ich bin sowieso satt und statt zu essen, schaue ich lieber aus dem Fenster und döse mit einem Podcast auf den Ohren vor mich hin.

Irgendwann landen wir und ich setze meinen Fuß auf den Boden, auf den Boden von Südkorea.

In Seoul

Nach dem Aussteigen ist es noch ein ganzes Stück bis zur Immigration, aber dafür geht es dort dann ziemlich schnell. Gerade mal 5 Leute stehen vor mir und in weniger als 20 Minuten bin ich schon durch die Passkontrolle. Wenn ich da zum Beispiel an Bali denke. Oje.

Auch sehr erfreulich, nach der Passkontrolle begrüßt mich ein Schild mit dem Text, wenn ich nichts zu verzollen habe, brauche ich auch nichts zu deklarieren oder auszufüllen. Ha! Take that Indonesien und all die anderen Länder, wo man mit Bürokratie und Zettelwirtschaft genervt wird, obwohl man nichts zu verzollen hat.

Südkorea: Danke, dass es noch Länder mit einem gesunden Menschenverstand gibt! 🙂

Ich bin also sehr schnell am Gepäckband und da sehe ich auch schon meinen Rucksack auf dem Band liegen. Oh je, er ist ganz schön nass! Die Schutzhülle, die ich immer im Flugzeug und im Bus benutze, hat zwar fast alles abgehalten, aber unten ist es zu nass und die Feuchtigkeit ist ins Innere eingedrungen.

Das hatte ich auch noch nie. Ist heute ein Tag der Premieren, oder was?

Naja, um die Hülle muss ich mich später kümmern, dass ich die sauber und trocken bekomme, jetzt mache ich erst mal den Rucksack soweit wie möglich fertig und los geht’s.

Echt ein gebrauchter Tag

Am Ausgang des Flughafens schaue ich mir die üblichen Anbieter von SIM-Karten an und finde ein gutes Angebot für 30 Tage und unbegrenztes Internet für 71.500 WON (~50 EUR). Das ist zwar deutlich teurer als im Rest von Asien, aber dafür gibt es wirklich unbegrenztes Internet.

Nur in Japan war das mobile Internet noch teurer und das auch noch mit Datenvolumen. Außerdem waren in Japan alle öffentlichen WLANs und auch die in den Hostels wirklich schlecht. Mit das schlechteste Internet, was ich bisher in Asien hatte. Hätte ich auch nicht gedacht, aber in der Hinsicht ist Japan mittlerweile abgehängt.

Also kaufe ich die SIM hier in Seoul am Flughafen und hoffe auf gutes und schnelles Internet ohne Limits. Spoiler, es funktioniert wie gewünscht und Südkorea hat neben Taiwan wohl die beste Internetverbindung überhaupt.

Beim Kauf der SIM-Karte mache ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit der südkoreanischen Mentalität. Ziemlich lustlos und wortkarg ist die Verkäuferin bis an die Grenze, wo sie richtig mürrisch auf mich wirkt. Als würde ich stören.

Das kenne ich so eigentlich fast nur aus Deutschland. 😀

Egal, ich kaufe die SIM-Karte und muss sie selbst einlegen und aktivieren. Wobei das im Prinzip automatisch geht, da muss man nichts per SMS machen, das geht einfach so nach ein paar Minuten. In anderen Ländern hätte das die Verkäuferin für mich gemacht.

Als ich die Aktivierungsbestätigung per SMS erhalte, sehe ich, dass die SIM nur 15 Tage gültig ist. Was soll der Mist denn jetzt?

Ich überprüfe alle Details und stelle erst jetzt fest, dass ich nur eine SIM für 15 Tage bekommen habe und auch nur den Preis für diese 15 Tage SIM bezahlt habe.

Ich überlege kurz, ob ich mir die mürrische Verkäuferin überhaupt noch einmal antun will, aber da es deutlich teurer wäre, sich nach 15 Tagen eine neue SIM-Karte zu kaufen, als nur eine SIM-Karte für 30 Tage zu haben, entscheide ich mich dafür, die Sache gleich hier zu klären.

Nach einer kurzen Diskussion ist klar, ich bekomme die SIM 1 erstattet und dann gibt sie mir eine neue 30 Tage SIM, die ich aber natürlich erst wieder bezahlen muss. Verrechnen geht nicht. Argh!

Spoiler: Die Rückerstattung kam dann irgendwann nach ca. 3 Wochen auf meiner Kreditkarte an, zum Glück ohne weiteres Zutun meinerseits. Wenigstens das hat funktioniert.

Nach dem nassen Rucksack schon die zweite Beinahe-Pleite hier in Südkorea.

Auf dem Weg aus dem Flughafen heraus versuche ich mit Hilfe von Googlemaps herauszufinden, wie ich am besten zu meinem Hostel im Stadtteil Changcheon-dong komme. Aber Googlemaps sagt immer, dass es keine Route finden kann.

Okay gut, vielleicht weil ich noch im Gebäude bin?

Also laufe ich ohne Plan weiter und gönne mir im nächsten Convenient Store erst einmal ein Sandwich und etwas zu trinken.

Seltsame Kombination das Sandwich, Süßkartoffelpüree mit Salat und Marmelade, aber es war das einzige vegetarische Sandwich, das sie hatten. Die Mischung ist interessant, aber ich glaube nicht, dass ich das oft essen werde.

Eiersalat-Sandwiches wie in Japan oder Taiwan habe ich leider nicht entdeckt und muss später feststellen, dass es die hier nicht gibt. Oh doch, mit einer Ausnahme bei Starbucks. Aber dazu vielleicht später mehr.

Dafür schmeckt dieser Kombucha-Drink richtig gut. Cool!

Ich laufe weiter und Googlemaps mag mich immer noch nicht. Also gehe ich zur Touristeninformation und frage nach dem besten Weg vom Flughafen in die Stadt. Es gibt eine direkte Zugverbindung zur Seoul Station, dem Hauptbahnhof.

Ich muss mir eine Transportation Card kaufen und diese dann aufladen. Das Prinzip kenne ich aus anderen Ländern. Gesagt, getan.

Leider kann man diese Transportation Card mal wieder nur mit Bargeld aufladen. Wie ich das hasse. Warum diese Einschränkungen?

Also muss ich noch einen ATM suchen, und wie so oft gibt es am Flughafen nur solche, die eine Gebühr verlangen. Ich beiße in den sauren Apfel und hebe gleich einen größeren Betrag ab, denn die Gebühr scheint fix zu sein.

Boah bin ich in dem Moment genervt! 🙁

Dann laufe ich zum Zug und fahre Richtung Innenstadt. Im Zug habe ich Zeit, mich mit Googlemaps zu beschäftigen. Ich sehe, dass es nur Routen für öffentliche Verkehrsmittel anzeigt und sonst nichts. Also Karten, aber keine Navigation. Seltsam!

Nach einigem Googeln stellt sich heraus, dass Googlemaps in Südkorea aus Sicherheitsgründen eingeschränkt ist und nicht auf die Daten in Südkorea zugreifen kann, weil es ein amerikanisches Unternehmen ist. Irgendwas hat das mit Nordkorea und Invasionsplänen zu tun und dass die Kartendaten nur in Südkorea gespeichert werden dürfen, aber so ganz verstehe ich das nicht.

Zum einen sieht man die Karte ja ohnehin schon in Googlemaps, es fehlt nur die Navigation, zum anderen gibt es andere Apps, bei denen alles wie gewohnt funktioniert, auch die Navigation. Eine gute Alternative ist z.B. die App Naver.

Als ob Nordkorea sich von einer Invasion abhalten ließe, nur weil die Navigation auf Googlemaps nicht funktioniert. Aber ich denke mir, dass ich vielleicht ein Detail übersehen habe, das das logisch erscheinen lässt. Mal sehen, ob ich das während meines Aufenthalts in Südkorea herausfinde.

Während der Zugfahrt sieht man, dass es draußen in Strömen regnet und es sieht verdammt grau und kalt aus. Ein kurzer Blick auf die Wetter-App genügt, um zu sehen, dass es den ganzen Tag regnen soll und es nur 16 Grad hat.

Schock! Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ohne Regenschirm und in kurzen Klamotten, das kann ja lustig werden. Hoffentlich ist der Weg vom Bahnhof zum Hostel nicht so weit. Ich steige 2 Stationen vor dem Hauptbahnhof aus, weil von dort der Weg zum Hostel kürzer sein soll.

Es gießt in Strömen!

Ich laufe ein ganz kurzes Stück bis zum Eingang eines Einkaufszentrums und bin schon ganz nass und es ist kalt. Ich merke, dass ich hier ohne Regenschirm nicht weiterkomme, oder ich muss in meinem großen Rucksack nach der Regenjacke kramen.

Da ich weiß, dass die ziemlich weit unten liegt, kaufe ich mir lieber einen Regenschirm für 5 EUR. Zum Glück gibt es die gleich hier am Eingang des Einkaufszentrums. Die wissen schon, wie man Geld macht, aber 5 EUR sind fair.

Mit meinem Regenschirm kämpfe ich mich durch Kälte, Wind und Regen zum Hostel. Etwas umständlich ohne Navigation und nur mit Karte, aber es klappt irgendwie und dann stehe ich endlich an der Rezeption des That House Hostels im Stadtteil Changcheon-dong in Seoul.

Gut, denke ich erleichtert, ab jetzt kann es ja nur noch besser werden. Oh Boy, habe ich mich geirrt!

Die Dame an der Rezeption schaut mich gleich skeptisch an. Ich sage meinen Namen und dass ich eine Reservierung habe, wie immer. Sie fragt nach meinem Pass und beginnt dann, in ihrem Computer herumzutippen.

Dann sagt sie, dass sie meine Reservierung hat, aber für ein Female Only Dorm. Wie bitte?

Ich überprüfe meine Buchung in der Agoda App. Ich habe das Hostel zweimal gebucht, einmal für die erste Woche in Seoul und vorsichtshalber noch einmal für die letzte Woche, bevor ich nach Kanada fliege.

Und was sehe ich? Die erste Buchung ist für ein Female Only Dorm, aber die zweite Buchung ist korrekt für ein Mixed oder Male Only Dorm. Wie ist das denn möglich?

Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die zweite Buchung auf Basis der ersten Buchung gemacht habe. Das heißt, ich bin in die erste Buchung gegangen und habe auf „neu buchen“ geklickt.

Ich kann mir wirklich nicht erklären, wie das mit dem Female Only Dorm passiert ist, aber in der App steht es ganz klar drin.

Ich frage natürlich, ob es dort noch einen Platz im Male Only Dorm gibt, aber es ist alles ausgebucht. Wow! Das hatte ich auch noch nicht. Ich sage ja, das ist der Tag der (unerwünschten) Premieren.

Heute geht wohl schief, was schief gehen kann. 🙁

Ich bitte dann höflich um Rückerstattung, bekomme aber eine klare und deutliche Absage mit der Begründung, dass sie ja auf der Fehlbuchung sitzen bleiben, weil sie das Bett für mich freigehalten haben.

Verstehe, das ist halt das typische Profit über Kundenzufriedenheit Ding. Kein Problem, kann jeder machen wie er will und jeder Mensch entscheidet Tag für Tag selbst, ob er heute ein guter Mensch sein möchte oder eben doch nicht so sehr.

Muss ich erwähnen, dass ich im Moment sehr frustriert bin? Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so schlechte Laune hatte.

Als ich das in diesem Moment bemerke, ärgere ich mich über mich selbst. Denn trotz all dieser Schwierigkeiten befinde ich mich immer noch in der komfortablen Situation, frei durch die Welt zu reisen, und ich habe mir das selbst so ausgesucht. Worauf bin ich also sauer?

Ich setze mich hin, schließe ein paar Minuten die Augen und meditiere. Das habe ich seit Beginn der Reise nicht mehr gemacht. Es hilft mir, sofort wieder in einen viel klareren mentalen Zustand zu kommen als es noch vor 5 Minuten der Fall war.

Beruhigt und mit der Einsicht, dass alles seinen Grund hat und Dinge einfach passieren, frage ich, ab wann dort ein Bett im Male Only Dorm frei wird. Ab Montag sagt sie und ich frage, ob ich dann wenigstens ab Montag dieses Bett haben könnte. Heute ist Mittwoch und ich wollte bis Mittwoch nächste Woche bleiben. Also 2 Nächte wären dann gerettet.

Sie telefoniert kurz mit ihrem Chef und sagt dann, dass das klar geht. Zumindest das klappt.

Ich schnappe mir kurz die Agoda App und suche nach Alternativen bis Montag. Erstaunlicherweise gibt es noch viele recht günstige Angebote, nur leider nicht hier in der Nähe. Also muss ich noch einmal durch den Regen und die Kälte.

Ich buche etwas in einem Stadtteil, wo ich sowieso hin wollte, dann hat es wenigstens noch etwas Gutes, dass ich nicht extra hinfahren muss, sondern direkt ein paar Tage vor Ort bin.

Außerdem habe ich noch ein Guthaben bei Agoda für das abgebrannte Hostel in Vancouver. Habe ich die Geschichte eigentlich schon erzählt? Wenn nicht, dann erzähle ich sie, wenn ich in Vancouver bin. Es ist eine verrückte Geschichte, aber mein Hostel, das ich weit im Voraus gebucht hatte, ist leider vor ein paar Tagen abgebrannt.

Mit diesem Guthaben kostet mich der Fauxpas mit der falschen Buchung am Ende ca. 25 EUR. Ärgerlich, aber nicht so schlimm wie gedacht, auch wenn ich das Guthaben natürlich besser anderweitig hätte einsetzen können.

Jedenfalls habe ich eine Unterkunft und mache mich nun auf den Weg dorthin. Aber…

…wo ist meine Transportation Card? Nein, das bitte nicht auch noch!

Ich durchsuche alle meine Taschen, kann sie aber nicht finden. Was für ein gebrauchter Tag ist das denn bitte schön?

Die bisher distanziert wirkende Dame an der Rezeption scheint mittlerweile wohl so etwas wie Mitleid mit mir zu haben und zusammen suchen wir noch einmal alle Plätze ab, an denen ich gewesen bin. Aber die Karte ist nirgends zu finden. Echt unglaublich.

Daraufhin sucht sie in ihren Schubladen und meint, sie habe irgendwo noch ihre alte Karte und brauche diese nicht mehr, weil sie das alles auch direkt mit ihrer Kreditkarte machen könne.

Ich frage aus Neugier, ob ich das auch mit meiner Kreditkarte machen kann, aber sie meint nein, das ginge nur mit koreanischen Kreditkarten. Eine unnötige Hürde, die mich hier in Südkorea noch öfter vor kleinere Probleme stellen wird.

Schließlich findet sie die Karte und gibt sie mir. Zuerst will ich stolz ablehnen, weil ich noch die Ablehnung meiner Bitte um Rückerstattung im Kopf habe, aber sie besteht darauf und ist jetzt auch viel freundlicher und zuvorkommender als am Anfang. Ich nehme sie und bedanke mich.

Später stelle ich fest, dass auf der Karte sogar noch ein Guthaben vorhanden ist (ungefähr so viel, wie ich auf meiner Karte hatte), ich also durch den Verlust meiner Karte tatsächlich kein Geld verloren habe. Das versöhnt mich ein wenig mit dem letzten Fauxpas.

Mit einem letzten aufrichtigen Danke verlasse ich das Hostel und mache mich auf den Weg zum anderen Hostel. Ich nehme den Bus, denn wenigstens zeigt Googlemaps die Busse an, nur den Weg zur Busstation muss ich wieder alleine finden.

Endlich angekommen

Nach einer ziemlich langen und leicht ruppigen Fahrt, wegen des Verkehrs und der vielen Haltestellen, komme ich im Stadtteil Dongdaemun an und laufe im kalten Regen, aber zum Glück mit Regenschirm, die letzten Meter zum Hostel.

Dieses liegt in einer Seitenstraße und dort gibt es neben einigen Restaurants auch Häuser, in deren Eingängen Frauen sitzen. Zuerst denke ich, wie so oft sitzen sie da und machen irgendeine Arbeit. Gemüse putzen oder Hülsenfrüchte pulen oder so. Das sieht man in Asien ja häufiger.

Aber nein, und auch wenn ich die Beschriftung nicht eindeutig entziffern kann, handelt es sich bei diesen Häusern bzw. Eingängen hier wohl eher um erotische Massagen oder in vielen Fällen wohl direkt um Prostitution unter dem Deckmantel eines Massagesalons.

Okay, jetzt weiß ich auch, warum das Hostel hier so billig war. 😉

Im Star Hostel angekommen (5,60 EUR/Nacht wegen des Guthabens, das ich noch hatte, ohne wären es knapp 9 EUR/Nacht gewesen, außerdem keine Empfehlung, es mangelt an Sauberkeit), gilt mein erster Blick den Zimmern und ob ich hier in einem der verbreiteten Love Hotels oder Stundenhotels unterkommen werde. Ich finde zwar, dass jeder machen kann was er will, solange es einvernehmlich ist, aber ich muss nicht unbedingt dabei sein oder direkt nebenan übernachten.

Aber meine Befürchtung ist unbegründet: Es ist ein ganz normales Hostel, nur eben in einer Straße, in der es offensichtlich auch Prostitution gibt.

Ich stelle mich gedanklich darauf ein und gehe nach dem Einchecken gleich noch einmal los. Ich erkunde wie üblich die nähere Umgebung und suche mir etwas zu essen.

Der Vorteil dieses Viertels ist, dass es sehr bekannt und belebt ist. Es ist sehr authentisch, auch wenn die Chinesen hier anscheinend einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen. Zumindest höre ich viel Chinesisch.

Und es gibt hier den Gwangjang Market, der sehr bekannt ist von Netflix (das habe ich auch erst hier erfahren). Der ist wirklich super interessant. Mehr dazu später, wenn ich über meine Zeit in Seoul schreiben werde.

Jedenfalls organisiere ich mir dort etwas zum Essen. Danach geht es schnell unter die heiße Dusche und ins Bett.

Mann, was war das für ein komischer Tag! Ich glaube, ich hatte noch nie so eine misslungene Ankunft in einem neuen Land und einer neuen Stadt. Na gut, so schlimm wie damals in Athen war es mit Sicherheit nicht.

Ich hoffe nur, dass dies kein schlechtes Omen für meine Zeit in Südkorea im Allgemeinen ist und ich drücke mir mal selber die Daumen, dass dem nicht so sein wird. Ab morgen wird alles besser. Ganz sicher!

CU Ingo.

PS: Keine Angst, mein Frust war nur von sehr kurzer Dauer. Alles ist gut! 🙂


2 Kommentare zu „Weltreise Step #121: Auf nach Seoul“

  1. Hey Weltreisender

    Eine köstliche Geschichte vom Herrn Ingo und seinem Rucksack. Ich habe mich prächtig amüsiert beim Lesen.
    Generell aber phantastisch, was du alles so erleben darfst, ob es nun die großen Highlights sind auf dieser Reise, oder die kleinen leisen Geschichten, die so am Rande passieren. Ich freue mich sehr für dich, auch wenn wir uns nicht persönlich kennen, was du alles so erleben darfst und wünsche dir weiterhin eine spannende Reise! ✌️

    1. Hi Claudio!

      Danke fürs Vorbeischauen und die netten Worte. 🙂

      Ja oft sind es die kleinen Begegnungen am Rande oder die Hindernisse, die man überwinden muss, die dann eine gute Geschichte ergeben.

      Wenn immer alles glatt gehen würde, dann hätte man nichts zu erzählen. 😀

      Grüße aus Seoul.

      CU Ingo.

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